So wird dein Garten igelfreundlich

Igel unterwegs in einen Naturgarten und blickt den Betrachter an.

Letztes Jahr hatten wir zum ersten Mal eine Igelfamilie bei uns im Garten. Als ich unter meinem Riesen Federgras (Stipa Gigantea) Unkraut jäten wollte, stieß ich auf ein merkwürdiges Knäuel aus Moos und Blättern. Zum Glück habe ich mich ganz vorsichtig mit dem Unkrautstecher vorgetastet – und dabei ein Igelnest entdeckt! Ich habe einen kurzen Blick auf die kleinen Igelkinder geworfen und das Nest schnell wieder zugedeckt.

Wir hatten zwar schön öfter Igel im Garten gesichtet, aber noch nie eine ganze Familie gehabt. Ich wusste nicht viel über die Stacheltiere und hatte viele Fragen. Also habe ich erst mal recherchiert.

Foto von zwei kleinen Igeln auf dem Rasen, einer von Vorne, der andere von hinten.

Was ich über Igel herausgefunden habe:

Warum haben Igel Stacheln?
Igel schützen sich mit ihren bis zu 7000 Stacheln. Bei Gefahr rollen sich Igel zu einer undurchdringlichen Stachelkugel zusammen. Damit die Stacheln für die Tiere nicht zu schwer werden, sind sie hohl.

Sind Igel nützlich?
Ja, die kleinen Stacheltiere zählen zu den Nützlingen, weil sie Schnecken und andere Gartenschädlinge fressen. Außerdem ernähren sie sich von Käfer, Spinnen, Würmer, Insekten und Larven.
Comichafte Strichzeichnung eines Igels, der sich beim Anblick einer Schnecke das Mäulchen leckt.
Stehen Igel unter Naturschutz?
Ja, Igel gehören zu den besonders geschützten Tierarten. 

Was machen Igel für Geräusche?
Igel geben die unterschiedlichsten Laute von sich. Sie schmatzen, grunzen, zwitschern, schnaufen und schreien wie Babys. Hör dir an, was für lustige Geräusche Igel machen.

Soll man Igel füttern?

Comichafte Strichzeichnung eines Igels, der Wasser aus einer Schale trinkt und "Das tut gut!" sagt.

Nein, Igel können sich gut selbst versorgen. Aber sie freuen ist, wenn du ihnen in heißen Sommern eine Schale mit Wasser (keine Milch!) hinstellst.

Was kann ich tun, wenn ich ein Igelnest finde?
Am besten solltest du die kleine Familie in Ruhe lassen. Den Bereich um das Nest bei der Gartenarbeit möglichst aussparen, um die Igel nicht zu stören. Es ist zwar möglich, dass die Igel sich ein anderes Plätzchen suchen, kostet sie aber viel Kraft.

Übertragen Igel Krankheiten?
Da Igel ein Wildtier ist, kann auch er Erreger oder Parasiten auf Menschen oder Haustiere übertragen. Das passiert aber meist nur nach direktem Kontakt. Nach Tierkontakten sollten sowieso immer gründlich die Hände mit warmen Wasser und Seife gewaschen werden. Und zur Sicherheit die Hände danach noch desinfizieren. Beim Beseitigen von Igelkot immer Handschuhe tragen. Die stinkenden Häufchen sind sehr klebrig und gehören nicht auf den Kompost, sondern in die Biotonne. 

Wie ist das mit Zecken?
Igel haben oft Igelzecken, die aber eher selten auf Menschen übergehen. Trotzdem ist es ratsam, beim Transport Handschuhe zu tragen und eine Schachtel zu verwenden, die entweder gut gesäubert werden kann oder weggeworfen werden darf.

Comichafte Strichzeichnung eines Igels in einem Blätterhaufen, der ein herabfallendes Herbstblatt mit einem fröhlichen "Na Hallo!" begrüßt.

Warum halten Igel Winterschlaf?
Igel machen es sich im Herbst in Laub- oder Reisighaufen gemütlich und bereiten sich auf den Winterschlaf vor. Im Winter gibt es nicht genügend Nahrung für die Tiere, deswegen schlafen sie ab November bis zu fünf Monate lang und leben von ihren Fettreserven.

Was mache ich, wenn ich im Winter einen Igel finde?
Zusammengerollte Igel, die bei leichter Berührung ein bisschen reagieren, sind quicklebendig und machen einfach nur Winterschlaf. Am besten lässt du sie in Ruhe. Liegt der Igel allerdings ausgestreckt da und reagiert gar nicht, ist er höchstwahrscheinlich tot und kann nur noch begraben werden.

Wenn du im Winter einen kleinen Igel herumlaufen siehst, kommt er meist alleine zurecht. Nur wenn er krankt oder verletzt ist, oder weniger als 500 g wiegt, solltest du dich an einen Tierarzt oder eine Igelauffangstation wenden. Mehr Infos findest du über Igel bei Pro Igel.

9 Tipps, wie du Igel unterstützen kannst

Comichafte Strichzeichnung eines Igels, in einer Wiese steht, entsetzt auf einen Schottergarten guckt und "Huch!" ausruft.
1. Den Garten naturnah gestalten

Mit steinigen Schottergärten können Igel nichts anfangen. Wo sollen sie dort nach Futter suchen oder Unterschlupf finden? Auch Kirschlorbeer- und Thujahecken nützen ihnen nicht viel. Sie bevorzugen heimische Gehölze und eine naturnahe Anlage, möglichst mit einer unaufgeräumten Ecke, das finden sie herrlich.

Am besten, du verzichtest auf chemische Schädlingsbekämpfungsmittel. Wenn du Schneckenkorn verwendest, nutz welchen mit dem Wirkstoff Eisenphosphat. Er ist für Menschen und Tiere weniger bedenklich.
Comichafte Strichzeichnung eines Igels, der sich beim Anblick eines Steinhaufens freudig "Wunderbar!" ruft, weil es ein toller Unterschlupf für ihn ist..

2. Einen Unterschlupf bieten

Igel nutzen gerne Hecken, Holzstapel oder Steinhaufen, um sich dort auszuruhen. Sie freuen sich, wenn du ihnen von November bis März Laub- und Asthaufen als Unterschlupfmöglichkeit liegen lässt. Du kannst auch spezielle Igelhäuser kaufen oder selbst bauen und an einer geschützten Gartenecke aufstellen.

Vorsicht auch beim Umsetzen von Kompost- oder Laubhaufen, dort könnte es sich ein Igel gemütlich gemacht haben. Besonders aufpassen sollte man mit der Grabgabel, bitte nur ganz behutsam damit stochern.

Igel suchen gerne Zuflucht in Reisighaufen, deswegen den Haufen kurz vor dem Abbrennen unter Aufsicht vorsichtig umsetzen, oder ganz darauf verzichten.

Comichafte Strichzeichnung einer Igelmutter, die von oben durch eine Öffnung auf ihr Junges blickt, das um Hilfe ruft.

3. Treppen und Schächte sichern

Erwachsene Igel können normale Stufen überwinden, Jungtiere sind dafür noch zu klein. Für sie kann man die Stufen mit einem Backsein halbieren. 

Einen Sturz in Gruben oder Schächte überstehen die Tiere meist problemlos, kommen dann aber nicht mehr alleine heraus. Am besten Lichtschächte mit einem engmaschigen Gitter versehen oder eine Ausstiegshilfe anbringen.

Comichafte Strichzeichnung eines Igels, der es mit Hilfe einer Hühnerleiter schafft, aus einem Teich zu entkommen.

4. Regentonnen und Teiche sichern

Igel können zwar schwimmen, können aber steile Ufer nicht alleine erklimmen. Wer seinen Pool oder Teich nicht jeden Abend abdecken möchte, kann für eine Ausstiegshilfe sorgen. Dafür eignet sich ein schräges Brett mit Querstreben (wie bei einer Hühnerleiter) oder ein dicker Ast mit einer griffigen Rinde. Auch Eichhörnchen, Kröten, Fröschen, Vögeln und andere Kleintiere profitieren von so einer Ausstiegshilfe.

Comichafte Strichzeichnung eines zusammengerollten Igels, der von einem Hund angebellt wird.

5. Hunde an die Leine nehmen

Die Hauptfeinde des Igels sind Uhu und Dachs, aber auch Hunde können für ihn gefährlich werden. Bitte lass deinen Hund nur unter Beobachtung frei laufen.

6. Keine gefährlichen Dinge liegen lassen

Igel können sich in Vogelschutznetzen und Tüten verheddern und an scharfen Gegenständen wie Dosen schneiden. Also bitte gleich nach Gebrauch wieder sicher verstauen.
Comichafte Strichzeichnung eines Igels, der angstvoll auf einen Mähroboter blickt und "Weia!" sagt.

7. Auf Mähroboter und Laubsauger verzichten

Mähroboter stellen für Igel eine große Gefahr dar. Auch wenn die Hersteller oft das Gegenteil behaupten: Die Geräte erkennen die Tiere nicht. Und die Igel fliehen nicht vor der Gefahr, sondern rollen sich nur zusammen. So kommt es immer wieder zu schlimmen Verletzungen, besonders in der Dämmerung und nachts. Am besten, man mäht selbst. Oder stellt den Mähroboter nur tagsüber an, am besten unter Beobachtung. Laubsauger (wenn überhaupt) sparsam einsetzen, sie saugen Insekten mit auf, die den Igeln als Futter dienen.

8. Nachts vorsichtig fahren

Igel sind nachtaktiv und achten auf der Suche nach Beute natürlich nicht auf den Verkehr. Besonders die Männchen vergessen alle Vorsicht, wenn sie auf Brautschau sind. Umso wichtige ist es, dass wir Autofahrer nicht zu schnell sind und damit rechnen, dass Wildtiere die Straße überqueren.

Comichafte Strichzeichnung eines Lattenzauns mit Loch, durch das sich ein Igel zwängt und dabei "Geschafft!" sagt.

9. Durchgänge schaffen

Igel gehen gerne in der Nachbarschaft auf Beutezug, werden aber oft von unseren Zäunen behindert. Damit die Tiere durch Lücken in Mauern und Zäune schlüpfen können, am unteren Rand ein ca. 10 x 10 cm großes Loch lassen. Manchmal reicht es, einen Zaunstab unten etwas abzusägen. Hinter einem Busch fällt das kaum auf. Für Maschendrahtzäune gibt es spezielle Igelklappen aus Holz oder Metall.

Auf Wiedersehen, kleine Igel!

Noch etwas habe ich herausgefunden: Igel sind ihren Standort treu. Manche nutzen ihr Nest ein ganzes Leben lang! Wir können also hoffen, dass unser Igel uns noch einmal im Garten besucht. Das wäre schön, denn beim letzten Mal haben den Auszug der kleinen Igel leider verpasst. So bekommen wir vielleicht noch eine zweite Chance!
Comichafte Strichzeichnung einer Igelmutter, die ihre drei Kindern mit dem Ruf "Los geht's!" in die Weite führt.

PS: Letze Woche huschte eine kleine, dunkle Gestalt unseren Weg entlang, als wir abends nach Hause kamen: Unser kleiner Igel ist wieder da! Mein Mann fing spontan an zu singen: „Fly like an Igel“, frei nach dem Song Fly like an Eagle von Steve Miller. Das stelle ich mir so vor:

Comicartige Illustration eines Igels, der glücklich durch die Wolken fliegt, mit der Bildunterschrift: "Fly like an Igel!".

PPS: Falls du auch gerne kleine Igel hättest, back dir einfach welche. Dieses Rezept ist sehr lecker!

 

 

4 Kommentare

  1. Hallo Hanni, heute habe ich deinen Beitrag zum Thema Igel gelesen, auch unser Garten beherbergt eine Familie Igel- vielen lieben Dank für deine Mühe mit den Skizzen, so witzig ich mag sie sehr gerne!!

    Antworten
    • Hallo Hanna, das ist ja schön! Die Igel scheinen wirklich standorttreu zu sein, ich habe es vor einige Wochen wieder unter unserem großen Ziergras „Stipa gigantea“ schmatzen gehört! Gesehen habe ich den kleinen Gesellen leider nicht, wollte ihn aber auch nicht stören.
      Schönen Gruß, Hanni

      Antworten
  2. Hallo Hanni,
    Ich würde auch gerne mal so einen fliegenden Igel sehen. Leider lässt sogar der Bodenigel seit Jahren nicht mehr blicken … dafür aber eine tollpatischige Spitzmaus, die mitten am Tag durch den Rasen „kletterte“. Ich habe gelesen, dass die auch Schnecken fressen! Guten Appetit!
    Liebe Grüße
    Ulrike

    Antworten
    • Hallo Ulrike,
      das mit der turnenden Spitzmaus stelle ich mir sehr niedlich vor. Meine Katze war auch ganz angetan. Sie hat mitlesen und sich das Mäulchen geleckt … Diese Mäuse zählen tatsächlich zu den Nützlingen, sie fressen sogar den gefürchteten Japankäfer.
      Schönen Gruß,
      Hanni

      Antworten

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